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Großer Stechlinsee, 2017, Foto: Kienzle



So ging das Geplauder. Die Sonne stand schon schräg,
als es plötzlich zwischen den Stämmen aufblitzte, und
gleich darauf unser Auge einer weiten Wasserf läche ansichtig
wurde, auf der, glänzend und blendend fast, die
Nachmittags⸗Sonne lag.
Das ist der „Stechlin“, so hieß es. Im nächsten Moment
sprang ich aus dem Wagen; mein Begleiter folgte.
Wir standen auf einer Art Quai, die hohen Stämme des
Waldes uns zu Häupten, eine weite Wasserf läche tief
unter uns. Drüben wieder Wald, auch links und rechts,
von überall Halbinseln in den See hineinstreckend.
Wasser, Himmel, Stille. Das ganze von jener eigenthümlichen
Wirkung auf unser Gemüth, als befänden
wir uns einem Stummen gegenüber, den es zu sprechen
drängt; aber die ungelöste Zunge versagt den Dienst.
Wir rathen dies und das aus seinen Zügen; umsonst,
was er sagen will, bleibt ungesagt.
Wir setzten uns an den Rand des Vorsprungs und
horchten auf die Stille.
Sie blieb, wie sie war. Kein Boot, kein Vogel, auch kein
Gewölk. Nur Grün und Blau und Sonne.


Wanderungen durch die Mark Brandenburg: Erster
Theil. Die Grafschaft Ruppin, dritte, vermehrte
Auf lage, Berlin: Wilhelm Hertz 1875, Kapitel „Die
Menzer Forst und der Große Stechlin“, S. 277 f.

                               

Brandenburger Notizen: Fontane - Krüger - Kienzle


Ausstellungs- und Publikationsprojekt im Rahmen des Themenjahres
fontane.200/Spuren – Kulturland Brandenburg 2019

Begleitband zur Ausstellung, Verlag für Berlin-Brandenburg

© Lorenz Kienzle
© für die Fotos von Heinz Krüger: Museum und Galerie Falkensee

Die Zitate aus Fontanes Notizbüchern stammen aus:
Theodor Fontane: Notizbücher. Digitale genetisch-kritische
und kommentierte Edition, herausgegeben von
Gabriele Radecke, Göttingen 2015 ff., https://fontane-nb.
dariah.eu/index.html. Eigentümerin der Notizbücher ist
die Staatsbibliothek zu Berlin, Preußischer Kulturbesitz.

Ausstellungen


19. Oktober bis 19. November 2019
Göttinger Literaturherbst
Eröffnung am 19.10. um 15.00h in der Niedersächsischen Staats- und Universitätsbibliothek, Foyer des SUB Hauptgebäudes, Platz der Göttinger Sieben 1, 37073 Göttingen

2. August bis 14. Oktober 2019
Remise am Schloss Rheinsberg
Schloss Rheinsberg 2, 16831 Rheinsberg

15.März bis 30.Juni 2019
Museum und Galerie Falkensee

Pressestimmen


Cornelia Felsch: "Auf Spurensuche mit der Plattenkamera", Ruppiner Tageblatt (MAZ), 5. August 2019 online als: "Fotograf begibt sich auf Fontanes Spuren"

Bernadette Conrad: "'Ganz selbständig im Leben, Anschauung und Denkungsart'. Zum 200. Geburtstag von Theodor Fontane begeben sich etliche neue Bücher auf seine Spuren Literaturblatt für Baden-Württemberg, Juli/August 2019

Maurice Wojach in der Märkischen Allgemeinen Zeitung, 25.6.19
Die Faszination des Fotografen Lorenz Kienzle für Brandenburg

Marlies Schnaibel in der Märkischen Zeitung, 25.6.19
Fontane löst Bücherflut aus

Beitrag vom 19.3.19 in der Sendung Märkische Wandlungen RBB Kulturradio

Film zum Projekt von Omar Akahare, 28.3.19
Meine Theodor Fontane Geschichte



Projektbeschreibung


Zu Theodor Fontanes 200. Geburtstag inszeniert
eine Ausstellung in Falkensee Schwarzweiß-
Aufnahmen der Fotografen Heinz Krüger
(1919–1980) und Lorenz Kienzle (*1967) in
Korrespondenz mit Fontanes Texten und Skizzen.
Heinz Krüger fotografierte zwischen 1963
und 1970 auf den Spuren von Fontanes Wanderungen
durch die Mark Brandenburg für eine Publikation
des Aufbau-Verlages. Aus diesem Fundus
traf Lorenz Kienzle eine Auswahl, die auch vom
Alltag in der DDR erzählt. Kienzle nahm sich
Fontanes Notizbücher vor, die ab 1860 während
dessen Exkursionen durch Brandenburg entstanden
waren und als Rohmaterial für die Wanderungen
dienten. Die Notizbücher werden seit 2011
unter der Leitung von Gabriele Radecke für eine
digitale Edition transkribiert und kommentiert.
Fontane und Krüger folgend, machte sich
Kienzle per Fahrrad und mit Plattenkamera auf
den Weg durch Brandenburg. Seine Aufnahmen
von Landschaften, Orten und Tieren werden
mit Fontanes Texten und den Fotografien von
Krüger kombiniert. Dabei entsteht ein Geflecht
von Bezügen, das von der Vergänglichkeit, aber
auch der Zeitlosigkeit von Orten erzählt, die
man immer wieder neu entdecken kann.