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Körnerpark, 2006

                               

Neukölln

Ausstellungsprojekt 2004 – 2012


Die weiße Residenz - Künstlerische Fotografien der Gropiusstadt 2002 – 2012
Gruppenausstellung im Gemeinschaftshaus Gropiusstadt
14. September - 21. Dezember 2012

LICHTUNG Die fotografische Sammlung des Museums Neukölln
9. Februar - 30. September 2012



1992 zog ich in eine Atelieretage in einem Gewerbehof der Karl-Marx-Straße in Berlin-Neukölln und richtete mir dort eine Dunkelkammer ein. Durch ein großes Fenster blickte ich weit in verschiedene Hinterhöfe, auf spielende Kinder und protzige Limousinen, deren Besitzer im Fitnessstudio über mir trainierten. Bei der Arbeit begleitete mich das ständige Gepolter herunterfallender Gewichte aus dem Sportstudio und die Gesänge aus der Moschee nebenan. Manchmal mischten sich noch Kampfschreie aus dem Karate-Training hinzu, was einen ganz eigenen Klang erzeugte.

2005 entschied ich mich dazu, Neukölln nicht mehr nur durch das Fenster zu betrachten und begann auf der Straße zu arbeiten. Mir war es wichtig geworden, meine nähere Umgebung fotografisch zu erkunden. So radelte ich, meist Sonntags, mit einer Plattenkamera auf dem Gepäckträger und dem Stativ auf dem Rücken kreuz und quer durch Neukölln, das immer größer wurde, je mehr ich davon entdeckte. 2009 musste ich mein Atelier verlassen, da dort Loftwohnungen entstehen sollten. Ich zog mit meinem Atelier in einen anderen Bezirk, setzte aber meine fotografische Arbeit über Neukölln noch intensiver fort.

Die erste »Neukölln« Ausstellung 2011 in der Galerie im Körnerpark wurde von kleinen Texten begleitet, kuriosen Dialogen mit Passanten, die sich auf der Straße ergaben und die ich anschließend notiert habe. Zum Beispiel mit Hauswart Krause:

In der Weserstraße an einem spätsommerlichen Sonntagnachmittag. Ein Dackel trägt einen ausgewachsenen Stoffhasen mit großem Ernst über die Straße. An der Leine zieht er ein Ehepaar die einen Korb voller Äpfel tragen. Wahrscheinlich aus ihrem Schrebergarten. Ich frage, ob ich den Dackel fotografieren darf. Dummerweise habe ich nur die Plattenkamera dabei und muss erst mal das Stativ auf Dackelhöhe stellen. Der Hund bleibt geduldig stehen und wartet. Währenddessen frage ich nach dem Namen des Hundes. »Kommt det in die Zeitung?« fragt der Mann. Ich verneine. »Schreiben Sie det is der Dackel von Hauswart Krause aus der Weserstr.165. Die Hauswartstelle ist jetzt weg. Det macht jetzt ne Firma.«